Hausautomation für den Neubau
Weitsichtige Elektroplanung eröffnet Jahrzehnte lang flexibles Wohnen
"Ach, hätten wir das doch vorher gewußt!", seufzen viele frisch eingezogenen Bauherren, nachdem ihnen klar geworden ist, dass ihre konventionelle Elektroinstallation nicht die Ansprüche erfüllt, die gegenwärtig - und vor allen Dingen zukünftig - von einer modernen Elektroinstallation erwartet werden. Die Enttäuschung ist zu recht groß, denn die Chancen, die ein Neubau für eine umfassende elektrotechnische Infrastruktur bietet, ist dann vertan. Nachinstallationen sind sehr aufwendig und können bis zu fünf mal teurer werden! Worauf ist also bei der Planung der Elektroinstallation zu achten?
Die Planungsphase eines Neubaus sollte sich in zwei, besser drei Abschnitte aufteilen:
1. Die architektonische Planung des Objektes,
2. die elektrotechnische Planung der Anlage,
3. die Panung eines Energiekonzeptes.
Frühzeitig sollte sich der Bauherr mit dem Ausstattungsumfang der elektrischen Anlage auseinandersetzen und gemeinsam mit dem Architekten und/oder seinem Elektroplaner/Elektrofachbetrieb die spätere tatsächliche Nutzung besprechen. Nur wenn die Anzahl der vorgesehenen elektrischen Geräte festgelegt ist, kann daraus eine Gesamtkonzeption entstehen:
- Anzahl der Stromkreise
- Anzahl der Steckdosen
- Anzahl der Leuchtenauslässe
- Anzahl der Fernseh- und Kommunikationsanschlüsse
- weitere Komfort-, Energiespar- und Sicherheitsfunktionen.
Früher schon an später denken
Eine sichere Grundlage zur Elektroplanung bietet die offizielle Ausstattungsrichtlinie RAL-RG 678, die der DIN 18015 "Planung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden" entspricht. Dort sind zeitgemäße Ausstattungsstandards festgeschrieben, die nicht unterschritten werden sollten, weil sonst die Grundbedürfnisse der Nutzer nicht abgedeckt sind.
Die RAL-RG unterscheidet drei Typen:
Mindestausstattung
Deckt die Grundbedürfnisse für Steckdosen, Beleuchtung, TV- und Radioanschluß, Telefonanschluß und Gebäudekommunikation wie Klingel,Türöffner und Gegensprechanlage ab. Es wird ein 2-reihiger Stromkreisverteiler für folgende Geräte vorgesehen: Elektroherd, Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Warmwassergerät, Mikrowellengerät, Wäschetrockner. Die Ausstattung wird für Miet- und Eigentumswohnungen bis 100 m² Wohnfläche empfohlen.
Standardausstattung
Erhöht die Anzahl der vorhandenen Steckdosen, Beleuchtungsauslässe und Kommunikationsanschlüsse inkl. einer Gegensprechanlage mit mehreren Wohnungssprechstellen. Es wird ein 3-reihiger Stromkreis-verteiler für folgende zusätzliche Geräte zur Mindestausstattung vorgesehen: Backofen, Bügelstation. Die Ausstattung ist für eine moderne Elektroinstallation in Reihen- und Einfamilienhäusern bis ca. 180 m² Wohnfläche empfohlen.
Komfortausstattung
Sieht neben einer komfortablen Ausstattung mit Steckdosen, Beleuchtungsauslässen und Kommunikationsanschlüssen auch Möglichkeiten für eine Videoüberwachung und Gefahrenmeldeanlage vor. Es wird ein 4-reihiger Stromkreisverteiler für folgende zusätzliche Geräte zur Standardausstattung vorgesehen: Dampfgarer, Heizung, Sauna/Whirlpool, Jalousie-/Rollladenantriebe.
Wichtig: Es sollten immer Leerrohrstränge ausgehend vom Strom-kreisverteiler mit eingeplant werden, damit zu einem späteren Zeitpunkt z. B. Multimedia-Anwendungen angeschlossen werden können.
Mehr Komfort durch intelligente Haussteuerung
Wer heute beim Neubau eines Gebäudes darauf verzichtet, eine vernetzte elektrotechnische Infrastruktur zu schaffen, die eine intelligente Hausautomation ermöglicht, handelt beinahe fahrlässig. Denn in nur wenigen Jahren wird das Gebäude nicht den sich verändernden Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. Flexible Raumnutzung, Energie sparende Funktionen, komfortable Lichtsteuerung und telemedizinische Dienstleistungen lassen sich nicht - oder nur per Insellösung und damit nicht vernetzt - realisieren. Die BUS-Installation EIB (Europäischer Installationsbus) vernetzt die einzelnen Funktionen untereinander, so dass sie abgestimmt aufeinander reagieren.
Nachfolgend einige Anwendungsbeispiele, die verdeutlichen, welchen Mehrwert eine BUS-Installation bietet:
Energie sparen
- Durch die Einzelraumregelung der Heizung, bei der nicht benutzte Räume wenig oder gar nicht beheizt werden.
- Der heimliche Stromverbrauch durch Stand-by-Schaltung wird bei Nichtbenutzung abeschaltet.
- Die Umwälzpumpen der Heizung bzw. des Lüfters lassen sich bei Nichtbenutzung deaktivieren.
Zentralfunktionen
- Beim Verlassen des Hauses/der Wohnung stellt sich die gesamte Haustechnik auf Stand-by und die Sicherheitstechnik wird aktiviert.
Komfortfunktionen
- Beim Eintreten bestimmter Ereignisse, wie helle Sonnenein-strahlung, Dunkelheit, Sturm oder Kälte, fahren Beschattungs-jalousien oder Außenrolläden gemß den persönlichen Vorlieben auf bzw. zu.
Lichtszenen
- Vordefinierte Wohnszenen können vom Touch-Panel, Mobilphone oder Controller gestartet werden.
- TV-Spielfilme werden durch die richtige Beleuchtung in Szene gesetzt.
- Gedimmtes Licht macht einen Kaminabend noch kuscheliger.
Weitere Beispiele für Komfort- und Sicherheitsfunktionen:
- Bedarfsgerechte Beleuchtung der Räume durch Präsenzmelder
- Anwesenheitssimulation durch zufälliges Ein- und Ausschalten der Beleuchtung während des Urlaubes
- Panikschaltung:bei Einbruchalarm werden alle Leuchten eingeschaltet und die Rollläden fahren hoch.
Wichtig: Bereits in der Vorplanung des Gebäudes sollte ein ganzheit-liches Bau- und Wohnkonzept entstehen. Unabdingbar für ein intelligentes Haus ist eine fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Architekt, Elektrogewerk und Heizungsbauer. Mit dieser fortschrittlichen Arbeitsweise ist sichergestellt, dass auch alle Komponenten aufeinander abgestimmt werden.
In Zukunft sollte jeder private und gewerbliche Bauherr auf einer integralen Arbeitsweise der Baubeteiligten bestehen, um eine optimale Lösung für sein Objekt zu bekommen. Dadurch werden unnötige Baukosten verhindert, Zeitvorgaben eingehalten und Arbeitsprozesse gelingen reibungsloser.